100 Tage AI Act – Ihr Fahrplan für den Compliance-Start
Seit 2. August 2026 gelten Transparenz- und KI-Kompetenz-Pflichten, ab Dezember 2027 die Hochrisiko-Regeln. Ihr Fahrplan – und warum frühes Handeln sich lohnt.
Update Juli 2026 – Digital Omnibus in Kraft: Dieser Beitrag erschien im Juni 2026 als Countdown zum 2. August 2026. Mit der Verordnung (EU) 2026/1744 (in Kraft seit 27. Juli 2026) gelten die Hochrisiko-Pflichten erst ab dem 2. Dezember 2027 (Anhang III) bzw. dem 2. August 2028 (Anhang I). Die Angaben unten sind auf diesen Stand gebracht.
2. August 2026. Seit diesem Tag gelten die Transparenzpflichten des EU AI Acts (Art. 50) – mit Bußgeldern von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des Jahresumsatzes. Außerdem können seitdem Verbote, KI-Kompetenz und GPAI-Pflichten durchgesetzt werden. Die Hochrisiko-Pflichten kommen erst am 2. Dezember 2027 (Anhang III) bzw. 2. August 2028 (Anhang I).
Klingt weit weg? Für Hochrisiko-Systeme brauchen Risikomanagement, Dokumentation und Qualitätsmanagement erfahrungsgemäß 12 bis 18 Monate Vorlauf.
Was seit August 2026 gilt
Zur Übersicht – diese Pflichten sind scharf bzw. kommen:
| Pflicht | Betrifft | Bußgeld |
|---|---|---|
| Transparenz (Art. 50) | Jedes Unternehmen mit KI-Inhalten oder Chatbots | Bis €15 Mio / 3% Umsatz |
| Hochrisiko-Compliance (Art. 6-49) | KI in HR, Kredit, Bildung, Infrastruktur | Erst ab 02.12.2027 (Anhang III) bzw. 02.08.2028 (Anhang I) |
| Betreiber-Pflichten (Art. 26) | Jeder, der Hochrisiko-KI einsetzt | Erst ab 02.12.2027 (Anhang III) bzw. 02.08.2028 (Anhang I) |
| GPAI-Pflichten (Art. 51-55) | Anbieter von General Purpose AI | Bis €15 Mio / 3% Umsatz |
Was bereits seit Februar 2025 gilt und seit August 2026 auch durchgesetzt werden kann:
- Art. 4 – KI-Kompetenz: Pflicht, Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz Ihrer Mitarbeiter zu ergreifen. Seit dem Digital Omnibus verlangt sie kein bestimmtes Kompetenzniveau mehr, bleibt aber eine Pflicht.
- Art. 5 – Verbote: Bestimmte KI-Praktiken sind bereits untersagt; ab dem 2. Dezember 2026 kommen neue Verbote hinzu (u.a. „Nudify-Apps“).
Ihr 10-Wochen-Plan
Woche 1-2: Bestandsaufnahme
- KI-Inventar erstellen: Alle KI-Tools auflisten, die im Einsatz sind
- Einsatzzwecke dokumentieren: Wofür wird jedes Tool genutzt?
- Betroffene identifizieren: Wer ist von den KI-Entscheidungen betroffen?
Das geht schneller als gedacht. Unser KI-Kompass führt Sie in 5 Minuten durch diesen Prozess.
Woche 3-4: Risikoklassifizierung
- Jedes KI-System einer Risikoklasse zuordnen: Verboten, Hochrisiko, Limited Risk, Minimal Risk
- Grenzfälle identifizieren: Im Zweifel höher klassifizieren
- Dokumentation starten: Was läuft wo, warum, mit welchem Risiko?
Woche 5-6: Transparenz umsetzen
- Chatbots kennzeichnen: „Dieser Chat wird von einer KI beantwortet“
- KI-Inhalte markieren: Workflow für KI-generierte Texte, Bilder, Videos
- Kunden informieren: Wo und wie setzen Sie KI ein?
Woche 7-8: Schulung und Richtlinien
- KI-Richtlinie erstellen: Was dürfen Mitarbeiter, was nicht?
- Team schulen: 60-90 Minuten Briefing, Teilnahme dokumentieren
- Verantwortlichkeiten klären: Wer ist KI-Ansprechpartner im Unternehmen?
Woche 9-10: Hochrisiko-Check und Feinschliff
- Hochrisiko-Systeme: Menschliche Aufsicht, Logging, Dokumentation sicherstellen
- DSFA prüfen: Bei personenbezogenen Daten + automatisierten Entscheidungen
- Compliance-Report erstellen: Alles in einem Dokument zusammenfassen
Die ersten beiden Wochen dieses Plans sind reine Bestandsaufnahme: Welche KI setzen Sie ein, in welcher Klasse landet sie? Genau diesen Teil nimmt Ihnen der KI-Kompass ab.
Warum jetzt und nicht kurz vor der Frist?
Drei Gründe:
1. Lernkurve einplanen. Die meisten Unternehmen wissen nicht, welche KI-Systeme sie nutzen. Ein vollständiges Inventar braucht Zeit – besonders wenn Fachabteilungen eigene Tools einsetzen (Schatten-KI).
2. Lieferanten einbinden. Wenn Ihre KI-Anbieter Informationen liefern müssen (technische Dokumentation, Bias-Tests), brauchen die Vorlauf. Kurz vor Dezember 2027 ist es dafür zu spät.
3. KI-Schulung ist Pflicht. Art. 4 (KI-Kompetenz) verpflichtet Sie seit dem Digital Omnibus zu Fördermaßnahmen statt zu einem bestimmten Kompetenzniveau – geschulte Mitarbeiter sind zudem bei der Hochrisiko-Compliance (ab Dez. 2027) relevant und reduzieren Haftungsrisiken.
Die häufigsten Ausreden (und warum sie nicht halten)
„Wir nutzen nur ChatGPT, das ist doch egal“
ChatGPT ist ein KI-System im Sinne des AI Acts. Die Transparenzpflicht gilt seit August 2026, und je nach Einsatz können Hochrisiko-Pflichten (ab Dezember 2027) greifen.
„Wir warten, bis die Behörden kontrollieren“
Für Verbote, Transparenz, KI-Kompetenz und GPAI-Pflichten ist die Durchsetzung seit dem 2. August 2026 möglich. Die DSGVO hat gezeigt: Die ersten Bußgelder kamen schneller als erwartet. Und bei der DSGVO gab es auch das Argument „die kontrollieren sowieso nicht.“
„Betrifft nur große Unternehmen“
Der AI Act gilt für jedes Unternehmen, das KI in der EU einsetzt oder entwickelt. KMUs haben Erleichterungen bei Sandboxen und Bußgeldhöhe – aber nicht bei den Grundpflichten.
„Unser Anwalt sagt, wir sollen abwarten“
Abwarten ist eine legitime Strategie – wenn Sie das Risiko bewusst eingehen. Aber ein KI-Inventar und eine Schulung sind kein Risiko, sondern Grundhygiene.
Was kostet Compliance?
Weniger als Sie denken – und deutlich weniger als ein Bußgeld.
| Maßnahme | Aufwand | Kosten |
|---|---|---|
| KI-Inventar | 1-2 Stunden | €0 (mit KI-Kompass) |
| Risikoklassifizierung | Automatisch | €0 (Free Check) |
| Volle Dokumentation + Report | 5 Minuten | Ab €49 einmalig |
| Team-Schulung | 60-90 Minuten | Eigenleistung |
| KI-Richtlinie | 2-3 Stunden | Eigenleistung |
Gesamtaufwand für ein typisches KMU: Ein bis zwei Arbeitstage. Gesamtkosten: Unter €200.
Fazit
Die 100 Tage bis zum 2. August 2026 sind vorbei, die Hochrisiko-Frist ist auf Dezember 2027 bzw. August 2028 gewandert. Aber zwischen „wissen, dass man etwas tun muss“ und „es tatsächlich getan haben“ liegen erfahrungsgemäß Monate. Die Unternehmen, die jetzt starten, sind im Dezember 2027 entspannt. Die anderen nicht.
Vom Lesen zum Nachweis
Der KI-Kompass führt Sie durch Inventar, Risikoklasse und Dokumentation. Der erste Check ist kostenlos und braucht keine Registrierung.