eu-konform.ai
Letzte Aktualisierung: Oktober 2026

EU AI Act –
einfach erklärt.

Die europäische KI-Verordnung ist das weltweit erste umfassende Gesetz für Künstliche Intelligenz. Dieser Guide erklärt alles, was Unternehmen wissen müssen – verständlich, vollständig und ohne Juristendeutsch.

2. August 2026 – Hauptteil gilt
Bis €35 Mio. Bußgeld
Jedes Unternehmen das KI nutzt
Kapitel 01

Was ist der EU AI Act?

Der EU AI Act (offiziell: Verordnung (EU) 2024/1689) ist das weltweit erste umfassende Gesetz zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz. Er wurde am 13. Juni 2024 vom Europäischen Parlament verabschiedet und am 12. Juli 2024 im Amtsblatt der EU veröffentlicht.

Das Ziel: KI soll in Europa sicher, transparent und grundrechtskonform eingesetzt werden – ohne Innovation zu bremsen. Der AI Act schafft dafür einen einheitlichen Rechtsrahmen, der in allen 27 EU-Mitgliedstaaten direkt gilt. Ein nationales Umsetzungsgesetz ist nicht nötig – Deutschland regelt ergänzend nur Zuständigkeiten, Bußgeldverfahren und Innovationsförderung im KI-MIG (in Kraft seit 29. Juli 2026; zuständig ist grundsätzlich die Bundesnetzagentur).

Der Ansatz ist risikobasiert: Je höher das Risiko einer KI-Anwendung für Gesundheit, Sicherheit oder Grundrechte, desto strenger die Auflagen. Eine KI, die Spam-E-Mails filtert, hat andere Pflichten als eine KI, die Bewerber vorsortiert.

Wichtig zu verstehen: Der AI Act reguliert nicht nur KI-Entwickler, sondern auch Unternehmen, die KI einsetzen (sogenannte „Betreiber“ bzw. „Deployer“). Wenn Ihre Mitarbeiter ChatGPT, Copilot oder andere KI-Tools nutzen, betrifft Sie der AI Act.

Update Juli 2026 – Digital Omnibus in Kraft: Die Änderungsverordnung (EU) 2026/1744 gilt seit dem 27. Juli 2026 (politische Einigung im Mai 2026). Die wichtigsten Änderungen: Die Hochrisiko-Pflichten gelten ab dem 2. Dezember 2027 (Annex III) bzw. 2. August 2028 (Annex I) – als feste Termine. Artikel 4 (KI-Kompetenz) bleibt eine Pflicht, verlangt aber nur noch Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz statt eines bestimmten Kompetenzniveaus. Ab dem 2. Dezember 2026 gelten neue Verbote für Nudify-Apps und KI-generierte Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs. Dieser Guide wurde entsprechend aktualisiert.

Kapitel 02

Wer ist betroffen?

Kurze Antwort: Praktisch jedes Unternehmen, das KI nutzt oder entwickelt.

Der AI Act unterscheidet mehrere Rollen:

Anbieter (Provider)

Wer ein KI-System entwickelt oder entwickeln lässt und unter eigenem Namen auf den Markt bringt. Die meisten Pflichten treffen diese Rolle.

Betreiber (Deployer)

Wer ein KI-System im beruflichen Kontext einsetzt – also die meisten Unternehmen. Wer ChatGPT, Copilot oder KI-Buchhaltungstools nutzt, ist Betreiber.

Importeure & Händler

Wer KI-Systeme aus Drittstaaten in die EU einführt oder vertreibt. Auch für sie gibt es Prüfpflichten.

Achtung, Extraterritorialität: Der AI Act gilt auch für Unternehmen außerhalb der EU, wenn deren KI-Systeme in der EU eingesetzt werden. Ähnlich wie bei der DSGVO.

Ausnahmen: Rein private Nutzung, militärische Anwendungen und Forschung (vor Markteinführung) sind vom AI Act ausgenommen. Für Open-Source-KI gelten begrenzte Erleichterungen bei den GPAI-Dokumentationspflichten (Art. 53) – aber Hochrisiko-, Verbots- und Transparenzpflichten gelten auch für Open Source uneingeschränkt.

Kapitel 03

Die vier Risikoklassen

Das Herzstück des AI Act ist die risikobasierte Klassifizierung. Jedes KI-System wird einer von vier Stufen zugeordnet – und je nach Stufe gelten unterschiedliche Pflichten. Einen detaillierten Vergleich mit Praxisbeispielen finden Sie in unserem Artikel Die 4 KI-Risikoklassen im Vergleich.

Unakzeptables Risiko – Verboten

Stufe 4

KI-Praktiken, die gegen europäische Grundwerte verstoßen, sind komplett verboten. Dazu gehören Social Scoring, manipulative Techniken, Echtzeit-Biometrie im öffentlichen Raum (mit Ausnahmen für Strafverfolgung) und Emotionserkennung am Arbeitsplatz.

→ Gilt seit 2. Februar 2025

Hohes Risiko – Strenge Auflagen

Stufe 3

KI-Systeme, die Gesundheit, Sicherheit oder Grundrechte gefährden können. Beispiele: KI in der Personalauswahl, Kreditwürdigkeitsprüfung, Bildung, kritischer Infrastruktur oder Strafverfolgung. Es gelten umfangreiche Pflichten: Risikomanagement, Datensatz-Qualität, Dokumentation, menschliche Aufsicht, Genauigkeit und Cybersicherheit.

→ Gilt ab 2. Dezember 2027

Begrenztes Risiko – Transparenzpflichten

Stufe 2

KI-Systeme, die mit Menschen interagieren, müssen das offenlegen. Chatbots müssen als KI erkennbar sein. KI-generierte Inhalte (Texte, Bilder, Audio, Video) müssen als solche gekennzeichnet werden. Deepfakes müssen markiert sein.

→ Gilt seit 2. August 2026

Minimales Risiko – Keine speziellen Pflichten

Stufe 1

Die Mehrheit aller KI-Anwendungen: Spam-Filter, KI-gestützte Produktempfehlungen, automatische Übersetzungen, KI in Videospielen. Keine speziellen Anforderungen durch den AI Act – freiwillige Verhaltenskodizes werden empfohlen.

→ Keine speziellen Fristen

Kapitel 04

Verbotene KI-Praktiken

Seit dem 2. Februar 2025 sind folgende KI-Praktiken in der EU verboten (Artikel 5):

Manipulative oder täuschende Techniken

KI, die unterschwellig das Verhalten von Personen beeinflusst und ihnen schadet.

Social Scoring

Bewertung von Personen aufgrund ihres sozialen Verhaltens, die zu ungerechtfertigter Benachteiligung führt.

Biometrische Echtzeit-Überwachung im öffentlichen Raum

Gesichtserkennung in Echtzeit auf öffentlichen Plätzen – mit eng definierten Ausnahmen für Strafverfolgung.

Emotionserkennung am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen

KI-Systeme, die Emotionen von Arbeitnehmern oder Schülern ableiten – außer aus medizinischen oder Sicherheitsgründen.

Biometrische Kategorisierung nach sensiblen Merkmalen

KI, die Personen anhand von Rasse, Religion, sexueller Orientierung oder politischer Überzeugung klassifiziert.

Vorhersagende Polizeiarbeit auf Basis von Profiling

KI, die aus Persönlichkeitsmerkmalen vorhersagt, ob jemand eine Straftat begehen wird.

Ungezielte Gesichtsdatenbanken (Scraping)

Aufbau von Gesichtserkennungsdatenbanken durch ungezieltes Sammeln aus dem Internet oder Überwachungskameras.

Neu ab Dezember 2026 (Digital Omnibus): Zusätzlich werden ab dem 2. Dezember 2026 zwei weitere KI-Praktiken verboten: Nudifier-Apps (KI-Systeme, die ohne Einwilligung sexuell explizite Deepfakes erzeugen) und KI-generierte CSAM-Darstellungen (KI-generierte Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs). Außerdem endet an diesem Datum die Übergangsfrist für die maschinenlesbare Kennzeichnung (Art. 50 Abs. 2) bei generativen KI-Systemen, die schon vor dem 2. August 2026 auf dem Markt waren. Für neue Systeme gilt diese Pflicht bereits seit dem 2. August 2026.

Kapitel 05

Hochrisiko-KI: Pflichten im Detail

Hochrisiko-KI-Systeme unterliegen den strengsten Anforderungen des AI Act. Sie sind in zwei Kategorien definiert:

Annex I – KI in bereits regulierten Produkten:

Medizinprodukte, Spielzeug, Aufzüge, Maschinen, Fahrzeuge, Luftfahrt – wenn KI als Sicherheitsbauteil eingesetzt wird. Seit dem Digital Omnibus gilt das nur, wenn das KI-System tatsächlich Risiken für Gesundheit, Sicherheit oder Eigentum abwenden soll; reine Effizienz-, Komfort- oder Optimierungsfunktionen zählen nicht. Für Maschinen werden die AI-Act-Anforderungen nicht mehr direkt angewendet, sondern über die Maschinenverordnung umgesetzt.

Annex III – Eigenständige Hochrisiko-Bereiche:

  • Biometrische Identifizierung und Kategorisierung
  • Kritische Infrastruktur (Energie, Wasser, Verkehr, Telekommunikation)
  • Bildung und Berufsausbildung (Zugang, Bewertung)
  • Beschäftigung und Personalmanagement (Recruiting, Beförderung, Kündigung)
  • Zugang zu öffentlichen und privaten Dienstleistungen (Kreditvergabe, Versicherungen)
  • Strafverfolgung (Risikobewertung, Lügendetektoren, Beweismittelbewertung)
  • Migration und Grenzkontrolle
  • Justiz und demokratische Prozesse

Alle 8 Bereiche verständlich erklärt: Hochrisiko-KI erkennen – Annex III einfach erklärt

Fristen (Digital Omnibus): Die Pflichten für Hochrisiko-KI gelten ab dem 2. Dezember 2027 (Annex III) bzw. 2. August 2028 (Annex I). Ursprünglich waren August 2026/2027 vorgesehen — der Digital Omnibus (in Kraft seit 27. Juli 2026) hat die Fristen auf diese festen Termine verschoben. Bis dahin sind Hochrisiko-Pflichten noch nicht durchsetzbar.

Pflichten für Anbieter von Hochrisiko-KI

01

Risikomanagementsystem

Laufende Identifikation, Bewertung und Minimierung von Risiken während des gesamten Lebenszyklus.

02

Daten-Governance

Trainings-, Validierungs- und Testdaten müssen relevant, repräsentativ, fehlerfrei und vollständig sein.

03

Technische Dokumentation

Umfassende Dokumentation zu Design, Entwicklung, Fähigkeiten und Einschränkungen des Systems.

04

Automatische Protokollierung

Das System muss Ereignisse aufzeichnen, die für die Rückverfolgbarkeit relevant sind (Logs).

05

Transparenz & Gebrauchsanweisung

Betreiber müssen klare, verständliche Informationen über Fähigkeiten, Einschränkungen und korrekte Nutzung erhalten.

06

Menschliche Aufsicht

Das System muss so gestaltet sein, dass Menschen es überwachen und bei Bedarf eingreifen können.

07

Genauigkeit, Robustheit & Cybersicherheit

Das System muss zuverlässig funktionieren und gegen Angriffe und Fehler geschützt sein.

Pflichten für Betreiber von Hochrisiko-KI

Auch wer ein Hochrisiko-System nur einsetzt (nicht entwickelt), hat Pflichten:

  • Das System gemäß der Gebrauchsanweisung einsetzen
  • Menschliche Aufsicht sicherstellen (geschultes Personal)
  • Eingabedaten müssen relevant und repräsentativ sein
  • Monitoring der Funktionsweise, Meldung von Vorfällen
  • Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) durchführen
  • Betroffene Personen informieren, dass sie einer KI-Entscheidung unterliegen
Kapitel 06

Transparenzpflichten (Limited Risk)

Auch wenn Ihr KI-Einsatz nicht als Hochrisiko eingestuft wird, gibt es Transparenzpflichten, die praktisch jedes Unternehmen betreffen (Artikel 50). Was genau gekennzeichnet werden muss, erfahren Sie im Detail unter KI-Transparenzpflicht – Was muss ich kennzeichnen?

Chatbots kennzeichnen

Nutzer müssen wissen, dass sie mit einer KI interagieren – nicht mit einem Menschen. Ein klarer Hinweis genügt.

KI-generierte Inhalte kennzeichnen

Texte, Bilder, Audio und Video, die von KI erzeugt wurden, müssen als maschinenlesbar markiert werden.

Deepfakes offenlegen

KI-generierte oder manipulierte Bilder, Videos und Audioinhalte, die reale Personen oder Ereignisse zeigen, müssen als künstlich erzeugt gekennzeichnet werden.

Kapitel 07

General Purpose AI (ChatGPT & Co.)

Der AI Act enthält eigene Regeln für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck (General Purpose AI Models, kurz GPAI) – also die Basismodelle hinter ChatGPT, Claude, Gemini, Llama und Co.

Diese Regeln richten sich primär an die Anbieter der Modelle (OpenAI, Google, Meta, Anthropic, etc.), nicht an Sie als Nutzer. Trotzdem ist es wichtig zu verstehen, was damit gemeint ist:

Pflichten für alle GPAI-Anbieter:

  • Technische Dokumentation erstellen und aktualisieren
  • Informationen für nachgelagerte Anbieter bereitstellen
  • EU-Urheberrecht einhalten (Transparenz über Trainingsdaten)
  • Zusammenfassung der Trainingsdaten veröffentlichen

Zusatzpflichten für GPAI mit „systemischem Risiko“: Modelle, die mit besonders viel Rechenleistung trainiert wurden (Schwelle: 10²⁵ FLOPS), gelten als „systemisch relevant“. Für sie gelten Zusatzpflichten: Modell-Evaluierung, Risikobewertung und -minderung, Vorfallmeldung an die EU-Kommission und Cybersicherheitsmaßnahmen. → Diese Regeln gelten seit 2. August 2025

Was heißt das für Sie als Nutzer? Wenn Sie ChatGPT, Copilot oder Claude nutzen, ist der Modell-Anbieter für die GPAI-Regeln verantwortlich. Sie als Betreiber müssen sich um Ihre eigenen Pflichten kümmern: Transparenz, Dokumentation, ggf. Risikoklassifizierung Ihres konkreten Einsatzes.

Kapitel 08

Was müssen Unternehmen konkret tun?

Unabhängig von der Risikoklasse empfiehlt der AI Act allen Unternehmen ein Mindestmaß an Governance. In der Praxis bedeutet das:

1

KI-Inventar erstellen

Listen Sie alle KI-Systeme auf, die in Ihrem Unternehmen genutzt werden. Auch ChatGPT, Copilot, Grammarly oder die KI in Ihrer Buchhaltungssoftware. Viele Unternehmen sind überrascht, wie viel KI bereits im Einsatz ist. Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung zum KI-Inventar zeigt Ihnen wie.

2

Risiko klassifizieren

Für jedes KI-System: In welche Risikoklasse fällt es? Verboten, Hochrisiko, Limited Risk oder Minimal? Die Einstufung bestimmt, welche Pflichten gelten.

3

Dokumentation anfertigen

Je nach Risikoklasse: Technische Dokumentation, Risikobewertungen, Transparenzhinweise, Datenschutz-Folgenabschätzungen. Das klingt nach viel – mit dem richtigen Tool ist es in 30 Minuten erledigt.

4

Mitarbeiter schulen

Artikel 4 verlangt „AI Literacy“: Anbieter und Betreiber müssen Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz ihrer Mitarbeiter zu fördern. Seit dem Digital Omnibus (in Kraft seit Juli 2026) müssen Sie dabei kein bestimmtes Kompetenzniveau einzelner Personen mehr garantieren – die Pflicht zu Fördermaßnahmen bleibt. Für die menschliche Aufsicht bei Hochrisiko-KI gelten weiterhin eigene Kompetenzanforderungen. Mehr dazu: KI-Kompetenz nach AI Act – Was Unternehmen wissen müssen.

5

Laufend überwachen

Compliance ist kein einmaliger Check. Sie müssen Ihren KI-Einsatz überwachen, bei Vorfällen reagieren und die Dokumentation aktuell halten. Ein jährlicher Re-Check ist das Minimum.

Kapitel 09

Bußgelder und Sanktionen

Der AI Act sieht gestaffelte Bußgelder vor – ähnlich wie die DSGVO, aber teils noch höher. Die Höhe richtet sich nach der Art des Verstoßes (Artikel 99):

Verbotene KI-Praktiken

Höchstsatz

Bis €35 Mio. oder 7% des weltweiten Jahresumsatzes

Je nachdem, was höher ist. Für den Einsatz verbotener KI-Praktiken nach Artikel 5.

Verstöße gegen sonstige Pflichten

Mittelsatz

Bis €15 Mio. oder 3% des weltweiten Jahresumsatzes

Für Verstöße gegen Pflichten für Anbieter, Betreiber, Importeure, Händler und notifizierte Stellen sowie gegen die Transparenzpflichten nach Artikel 50 – also die meisten operativen Anforderungen.

Falsche Angaben

Grundsatz

Bis €7,5 Mio. oder 1% des weltweiten Jahresumsatzes

Für die Bereitstellung unrichtiger, unvollständiger oder irreführender Informationen an Behörden.

Für KMUs und Start-ups sieht der AI Act angemessene Bußgelder vor, die der Größe und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Unternehmens Rechnung tragen: Für sie gilt jeweils der niedrigere der beiden Beträge (Festbetrag oder Umsatzanteil), seit dem Digital Omnibus bei den beiden unteren Stufen auch für Small Mid-Caps. Die genannten Höchstbeträge sind Obergrenzen – in der Praxis werden Bußgelder nach Schwere, Dauer und Art des Verstoßes bemessen. Alle Details zu den drei Strafstufen finden Sie unter AI Act Bußgelder – Was Unternehmen wirklich droht.

Kapitel 10

Zeitplan: Wann gilt was?

Der AI Act wird schrittweise wirksam. Einige Bestimmungen gelten bereits, weitere folgen gestaffelt bis 2028. Durch den Digital Omnibus (in Kraft seit 27. Juli 2026) wurden mehrere Fristen verschoben. Den kompletten Zeitplan mit allen Fristen finden Sie unter AI Act Zeitplan – Alle Fristen von 2024 bis 2028.

1. August 2024

Inkrafttreten

Die Verordnung tritt formal in Kraft. Die Umsetzungsfristen beginnen zu laufen.

Bereits in Kraft

2. Februar 2025

Verbotene KI-Praktiken

Verbotene KI-Praktiken (Artikel 5) und die Pflicht zur KI-Kompetenz (Artikel 4) gelten. Der Digital Omnibus hat Art. 4 abgeschwächt: gefordert sind Fördermaßnahmen, kein bestimmtes Kompetenzniveau.

Bereits in Kraft

2. August 2025

GPAI-Regeln + Governance

Regeln für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck (Kapitel V). Governance-Strukturen und das AI Office werden operativ, Sanktionsregeln gelten.

Bereits in Kraft

2. August 2026

Transparenzpflichten (Art. 50)

Allgemeiner Geltungsbeginn: Transparenzpflichten gelten (KI-Kennzeichnung, Chatbot-Offenlegung, Deepfake-Markierung). Die Durchsetzung beginnt für Verbote, Transparenz, KI-Kompetenz und GPAI. Termin unverändert durch den Digital Omnibus.

In 4 Monaten

2. Dezember 2026

Neue Verbote + Übergangsfrist Kennzeichnung

Neue Verbote durch den Digital Omnibus: Nudifier-Apps und KI-generierte CSAM-Darstellungen. Ende der Übergangsfrist für die maschinenlesbare Kennzeichnung (Art. 50 Abs. 2) bei generativen Systemen, die vor dem 2. August 2026 in Verkehr gebracht wurden.

2. August 2027

KI-Reallabore + GPAI-Altmodelle

Jeder Mitgliedstaat muss mindestens ein KI-Reallabor eingerichtet haben. GPAI-Modelle, die vor dem 2. August 2025 auf den Markt kamen, müssen konform sein.

2. Dezember 2027

Hochrisiko-KI (Annex III)

Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme nach Annex III: Biometrie, kritische Infrastruktur, Bildung, Beschäftigung, Migration u.a. Ursprünglich August 2026, durch den Digital Omnibus verschoben.

2. August 2028

Hochrisiko-KI in Produkten (Annex I)

Hochrisiko-KI-Systeme in bereits regulierten Produkten (Annex I) – z.B. Medizinprodukte, Spielzeug, Aufzüge. Ursprünglich August 2027, durch den Digital Omnibus verschoben. Für Maschinen werden die Anforderungen per delegiertem Rechtsakt in die Maschinenverordnung übernommen.

Kapitel 11

Was heißt das für KMUs?

Der AI Act betrifft nicht nur Tech-Konzerne. Laut einer Studie der Harvard Business Review sind kleine und mittlere Unternehmen besonders betroffen – weil sie KI zunehmend einsetzen, aber weder Rechtsabteilung noch Compliance-Team haben, um die neuen Pflichten umzusetzen.

Ein typisches KMU nutzt heute bereits mehrere KI-Systeme, oft ohne es zu wissen:

ChatGPT oder Copilot für E-Mails und Texte
KI-gestützte Buchhaltung (DATEV, sevDesk, lexoffice)
Recruiting-Tools mit KI-Vorauswahl
CRM mit Predictive Analytics
Chatbots auf der Website
KI-Übersetzungen (DeepL, Google Translate)
Marketing-Automation mit KI-Segmentierung
GitHub Copilot oder Cursor für Entwickler

Erleichterungen für KMUs

Der AI Act sieht einige Erleichterungen für KMUs vor. Durch den Digital Omnibus (in Kraft seit Juli 2026) wurden diese auf kleine Midcap-Unternehmen (Small Mid-Caps) erweitert:

  • Angemessene Bußgelder – bei der Bemessung wird die Unternehmensgröße berücksichtigt
  • Vereinfachte Dokumentation – KMUs und Small Mid-Caps dürfen vereinfachte Formen nutzen
  • Regulatorische Sandboxes – Testumgebungen, in denen KMUs KI-Systeme unter Aufsicht erproben können
  • Unterstützung durch nationale Behörden – Leitlinien und Guidance speziell für KMUs

Aber: Erleichterungen bedeuten nicht Befreiung. Auch KMUs müssen ein KI-Inventar führen, Risiken klassifizieren, Transparenz sicherstellen und ihre Mitarbeiter schulen. Die Grundpflichten gelten für alle – unabhängig von der Unternehmensgröße. Unsere praktische Checkliste hilft: AI Act Pflichten für KMUs – Die praktische Checkliste. Auch Freelancer und Soloselbständige sind betroffen: AI Act für Freelancer & Soloselbständige.

Kapitel 12

Checkliste: Ihre nächsten Schritte

Sie möchten loslegen? Hier ist ein pragmatischer Fahrplan – vom Ist-Zustand bis zur Compliance:

Awareness schaffen

Stellen Sie sicher, dass die Geschäftsführung weiß, dass der AI Act kommt und das Unternehmen betrifft. Wenn Sie diesen Guide gelesen haben, ist das erledigt.

KI-Inventar erstellen

Alle KI-Tools und -Systeme im Unternehmen identifizieren. Unser KI-Kompass hilft dabei – kostenlos.

Risikoklassen bestimmen

Jeden KI-Einsatz nach den vier Stufen klassifizieren. Im Zweifel: höher einstufen (conservative-by-default).

Verbotene Praktiken prüfen

Sicherstellen, dass kein KI-Einsatz unter die verbotenen Praktiken fällt. Gilt seit Februar 2025!

Mitarbeiter schulen (AI Literacy)

Grundlegendes KI-Verständnis für alle Mitarbeiter, die KI nutzen. Art. 4 verpflichtet zu Fördermaßnahmen (z.B. Schulungen, Leitfäden) – ein bestimmtes Kompetenzniveau einzelner Personen müssen Sie seit dem Digital Omnibus nicht mehr garantieren.

Dokumentation erstellen

Technische Dokumentation, Risikobewertungen und Transparenzhinweise – je nach Risikoklasse. Transparenz: Pflicht seit August 2026. Hochrisiko-Dokumentation: ab Dezember 2027 (Annex III) bzw. August 2028 (Annex I).

Laufendes Monitoring einrichten

Prozesse für regelmäßige Überprüfung, Vorfallmeldung und jährlichen Re-Check etablieren.

Klingt nach viel? Muss es nicht sein.

Unser KI-Kompass führt Sie Schritt für Schritt durch den Prozess – vom Inventar bis zur fertigen Dokumentation.

Jetzt kostenlos starten
Kapitel 13

Häufige Fragen (FAQ)

Gilt der AI Act auch für mein kleines Unternehmen?
Ja. Der AI Act gilt für jedes Unternehmen, das KI einsetzt – unabhängig von der Größe. Selbst Einzelunternehmer fallen darunter, wenn sie KI beruflich nutzen. Es gibt Erleichterungen bei Dokumentation und Bußgeldern, aber die Grundpflichten gelten für alle.
Ist die Nutzung von ChatGPT betroffen?
Ja. Wenn Ihre Mitarbeiter ChatGPT beruflich nutzen, sind Sie „Betreiber“ im Sinne des AI Act. Sie müssen den Einsatz dokumentieren, Mitarbeiter schulen und Transparenz sicherstellen (z.B. kennzeichnen, wenn Texte KI-generiert sind). Die Pflichten für das Modell selbst liegen bei OpenAI als Anbieter.
Was ist der Unterschied zur DSGVO?
Die DSGVO regelt den Schutz personenbezogener Daten. Der AI Act regelt den Einsatz von KI-Systemen – unabhängig davon, ob personenbezogene Daten verarbeitet werden. Beide Gesetze gelten parallel. Wenn Ihre KI personenbezogene Daten verarbeitet, müssen Sie sowohl den AI Act als auch die DSGVO einhalten. Die 6 wichtigsten Unterschiede erklären wir unter AI Act und DSGVO: 6 Unterschiede die Sie kennen müssen.
Wann muss ich handeln?
Teilweise sofort: Das Verbot bestimmter KI-Praktiken (Artikel 5) gilt seit dem 2. Februar 2025. Die Transparenzpflichten (Art. 50) gelten seit dem 2. August 2026. Hochrisiko-KI-Pflichten (Annex III) wurden durch den Digital Omnibus auf den 2. Dezember 2027 verschoben, Annex I auf August 2028. Die KI-Kompetenz (Art. 4) bleibt eine Pflicht: Seit dem Digital Omnibus müssen Sie Maßnahmen zur Förderung ergreifen, aber kein bestimmtes Kompetenzniveau garantieren. Wir empfehlen, jetzt mit dem KI-Inventar und der Transparenz-Compliance zu beginnen.
Was kostet es, compliant zu werden?
Das hängt von Ihrem KI-Einsatz ab. Mit eu-konform.ai können Sie den Risiko-Check kostenlos durchführen. Was die vollständige Dokumentation kostet, sehen Sie in unserer Preisübersicht – einmalig statt im Abo. Zum Vergleich: Spezialisierte Beratung kostet schnell €5.000–50.000 – und die Bußgelder bei Nichteinhaltung gehen in die Millionen.
Brauche ich einen Anwalt?
Für die meisten KMUs: Nein, nicht für den Einstieg. Unser Tool hilft Ihnen, Ihr KI-Inventar zu erstellen, Risiken zu klassifizieren und die nötige Dokumentation zu generieren. Bei besonders komplexen Hochrisiko-Fällen oder wenn Sie selbst KI-Systeme entwickeln, empfehlen wir eine ergänzende anwaltliche Prüfung.
Gilt der AI Act auch für Unternehmen außerhalb der EU?
Ja, wenn das KI-System in der EU eingesetzt wird oder die Ergebnisse in der EU genutzt werden. Das Prinzip der Extraterritorialität kennen Sie bereits von der DSGVO – beim AI Act funktioniert es genauso.
Was ist mit Open-Source-KI?
Open-Source ist nicht generell vom AI Act ausgenommen. Es gibt begrenzte Erleichterungen: Anbieter von Open-Source-GPAI-Modellen (wie Llama oder Mistral) müssen unter Art. 53(2) keine umfassende technische Dokumentation und keine Downstream-Informationen bereitstellen. Aber: Diese Erleichterung gilt nicht bei systemischem Risiko. Und für den konkreten Einsatz gelten alle Pflichten uneingeschränkt – Hochrisiko-Anforderungen, Verbote und Transparenzpflichten greifen genauso wie bei proprietärer KI.

Quellen & weiterführende Links

Verordnung (EU) 2024/1689 – Volltext

Offizieller Gesetzestext im Amtsblatt der EU (EUR-Lex)

EU-Kommission: AI Act Übersicht

Offizielle Informationsseite der EU-Kommission

artificialintelligenceact.eu

Unabhängige Ressource mit durchsuchbarem AI Act Text

Bereit für den AI Act?

Prüfen Sie in 5 Minuten, ob Ihr KI-Einsatz konform ist. Oder melden Sie sich für unseren Newsletter an – wir informieren Sie über Neuigkeiten und Fristen.