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AI Act und ChatGPT – Was Unternehmen bei GPAI beachten müssen

Sie nutzen ChatGPT, Gemini oder Claude? General Purpose AI hat eigene Regeln im AI Act. Was für GPAI-Nutzer gilt – Klartext ohne Juristendeutsch.

eu-konform.ai · · 7 Min. Lesezeit

ChatGPT, Gemini, Claude, Llama, Mistral – die großen Sprachmodelle sind in Millionen Unternehmen im Einsatz. Der AI Act hat dafür eine eigene Kategorie geschaffen: General Purpose AI (GPAI) – und eigene Regeln.

Aber hier kommt die gute Nachricht vorweg: Die meisten GPAI-Pflichten treffen den Anbieter (OpenAI, Google, etc.), nicht Sie als Unternehmen.

Was ist GPAI?

General Purpose AI-Modelle sind KI-Modelle, die:

  • Für eine breite Palette von Aufgaben geeignet sind (nicht nur einen Zweck)
  • Auf großen Datenmengen trainiert wurden
  • In verschiedene Produkte und Dienste integriert werden können

Die bekanntesten Beispiele:

Modell Anbieter Typ
GPT-4 / ChatGPT OpenAI Text, Bild, Code
Gemini Google Multimodal
Claude Anthropic Text, Code
Llama Meta Text (Open Weight)
Mistral Mistral AI Text
Copilot Microsoft/OpenAI Code, Office-Integration

Zwei Stufen: GPAI und GPAI mit systemischem Risiko

Der AI Act unterscheidet bei GPAI zwei Stufen:

Stufe 1: Alle GPAI-Modelle (Art. 53)

Pflichten für Anbieter (nicht Betreiber):

  • Technische Dokumentation erstellen und aktuell halten
  • Informationen für nachgelagerte Anbieter bereitstellen (damit die ihre Pflichten erfüllen können)
  • Urheberrechtspolitik veröffentlichen (Copyright-Compliance)
  • EU-Urheberrecht einhalten (Opt-out-Mechanismus für Rechteinhaber)
  • Zusammenfassung der Trainingsdaten veröffentlichen (Template der EU-Kommission)

Stufe 2: GPAI mit systemischem Risiko (Art. 55)

Zusätzliche Pflichten bei besonders mächtigen Modellen (Schwelle: 10^25 FLOPs Trainingsrechenleistung oder Einzelfallbewertung):

  • Modellbewertung durchführen (Red Teaming, Adversarial Testing)
  • Systemische Risiken identifizieren und mindern
  • Schwerwiegende Vorfälle melden (an EU AI Office)
  • Cybersicherheitsschutz sicherstellen

Aktuell betrifft Stufe 2 eine Handvoll Modelle: GPT-4, Gemini Ultra und vergleichbare. Das AI Office führt eine öffentliche Liste.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Wenn Sie ChatGPT, Copilot, Claude oder ähnliche GPAI-Dienste nutzen (nicht entwickeln), sind Sie Betreiber – nicht Anbieter. Die GPAI-spezifischen Pflichten (Art. 51-55) treffen Sie nicht direkt.

Aber: Als Betreiber haben Sie trotzdem Pflichten, die sich aus dem Einsatzzweck ergeben:

Transparenzpflichten (Art. 50)

  • KI-generierte Inhalte kennzeichnen
  • Chatbots als KI erkennbar machen
  • Deepfakes markieren

KI-Kompetenz (Art. 4) – Empfehlung

  • Team sollte verstehen, was GPAI kann und was nicht
  • Grenzen der Technologie kennen (Halluzinationen, Bias)

Hochrisiko durch Einsatzzweck

Wenn Sie GPAI in einem Hochrisiko-Bereich einsetzen (z.B. ChatGPT für Bewerber-Screening), werden Sie zum Betreiber eines Hochrisiko-Systems – mit allen Pflichten.

5 Praxis-Szenarien

Szenario 1: ChatGPT für Marketing-Texte

  • Ihre Rolle: Betreiber (Minimal Risk / Limited Risk)
  • Pflicht: KI-generierte Texte bei Veröffentlichung kennzeichnen
  • GPAI-Pflichten: Treffen OpenAI, nicht Sie
  • Aufwand: Gering – Transparenzhinweis ergänzen

Szenario 2: Copilot in Microsoft 365

  • Ihre Rolle: Betreiber (Minimal Risk)
  • Empfohlen: Team schulen (Art. 4 – Best Practice), intern dokumentieren
  • Besonderheit: Microsoft ist Anbieter, GPAI-Pflichten liegen bei Microsoft/OpenAI
  • Aufwand: Minimal – KI-Richtlinie erstellen

Szenario 3: Claude API für eigenes Produkt

  • Ihre Rolle: Anbieter eines nachgelagerten Systems
  • Pflicht: Hängt von Ihrem Einsatzzweck ab. Wenn Ihr Produkt Hochrisiko ist → volle Hochrisiko-Pflichten für Sie als Anbieter
  • GPAI-Info: Anthropic muss Ihnen technische Dokumentation bereitstellen (Art. 53), damit Sie Ihre Pflichten erfüllen können
  • Aufwand: Hoch – Sie werden zum regulierten Anbieter

Szenario 4: Open-Source-Modell (Llama) self-hosted

  • Ihre Rolle: Kann zum Anbieter werden, wenn Sie das Modell wesentlich verändern oder unter eigener Marke anbieten
  • GPAI-Pflichten: Open-Source-Modelle haben erleichterte Dokumentationspflichten (Art. 53 Abs. 2) – aber Hochrisiko/Verbote/Transparenz gelten voll
  • Aufwand: Mittel bis hoch – abhängig von Einsatz und Änderungen

Szenario 5: ChatGPT für Bewerber-Vorauswahl

  • Ihre Rolle: Betreiber eines Hochrisiko-Systems (Annex III: Beschäftigung)
  • Pflicht: Menschliche Aufsicht, Dokumentation, Eingabedaten prüfen, Bias-Monitoring
  • Achtung: Dass OpenAI GPAI-Pflichten erfüllt, entbindet Sie nicht von Ihren Betreiber-Pflichten
  • Aufwand: Hoch – vollständiges Compliance-Programm nötig

Häufige Missverständnisse

„OpenAI kümmert sich um Compliance, ich muss nichts tun“

Falsch. OpenAI erfüllt die Anbieter-Pflichten. Ihre Betreiber-Pflichten (Transparenz, Hochrisiko, Schulung) bleiben bei Ihnen.

„ChatGPT ist doch kein Hochrisiko-System“

ChatGPT als Produkt hat keine feste Risikoklasse. Die Klasse ergibt sich aus Ihrem Einsatzzweck. Internes Brainstorming → Minimal Risk. Bewerberauswahl → Hochrisiko.

„Ich nutze die API, also bin ich kein Betreiber“

API-Nutzung ändert nichts an Ihrer Rolle. Wer ein KI-System unter eigener Verantwortung einsetzt, ist Betreiber – egal ob über Web-Interface, API oder SDK.

„GPAI-Regeln gelten erst ab August 2027“

Teilweise richtig: Für GPAI-Modelle, die vor August 2025 auf dem Markt waren, gibt es eine Übergangsfrist bis August 2027. Aber Art. 5 (Verbote) gelten jetzt schon, Art. 4 (KI-Kompetenz) ist eine Empfehlung (Digital Omnibus), und Art. 50 (Transparenz) ab August 2026.

Was Sie jetzt tun sollten

  1. KI-Inventar: Welche GPAI-Dienste nutzen Sie? (ChatGPT, Copilot, Claude, etc.)
  2. Einsatzzweck prüfen: Fallen Einsätze in Hochrisiko-Bereiche?
  3. Transparenz vorbereiten: Wo müssen KI-Inhalte gekennzeichnet werden?
  4. Team schulen: Art. 4 empfiehlt KI-Kompetenz (Best Practice, nicht bußgeldbewehrt)
  5. Verträge prüfen: Stellen Ihre GPAI-Anbieter die nötigen Informationen bereit?

GPAI ist dabei nur eine von mehreren Kategorien, die der AI Act unterscheidet. Wie sie sich zu Hochrisiko, Transparenz und Verbot verhält, ordnet der AI-Act-Leitfaden ein.

Fazit

GPAI ist die dominante KI-Technologie in Unternehmen – und der AI Act hat das berücksichtigt. Die schwersten Pflichten treffen die Anbieter (OpenAI, Google & Co.), nicht die Nutzer. Aber als Betreiber müssen Sie Transparenz sicherstellen, Ihr Team schulen und bei Hochrisiko-Einsatz die vollen Betreiber-Pflichten erfüllen.

Die gute Nachricht: Für die meisten KMUs, die GPAI als Werkzeug nutzen (nicht als Produkt einbauen), bleibt der Aufwand überschaubar.

Der ganze Zusammenhang

Dieser Artikel behandelt einen Ausschnitt. Risikoklassen, Pflichten und Fristen des AI Act stehen im Leitfaden an einer Stelle.