AI Act für Freelancer & Soloselbständige – Was Sie wissen müssen
Gilt der AI Act auch für Freelancer? Ja – aber die Pflichten sind überschaubarer als gedacht. Was Soloselbständige wirklich tun müssen (und was nicht).
Sie sind Freelancer, Berater oder Soloselbständig. Sie nutzen ChatGPT für Texte, DeepL für Übersetzungen, vielleicht Midjourney für Visualisierungen. Und jetzt hören Sie: Ab August 2026 gibt es ein EU-Gesetz, das KI reguliert.
Erste Reaktion: “Betrifft mich das überhaupt?”
Zweite Reaktion nach dem Googeln: “Oh.”
Ja, der AI Act betrifft auch Einzelunternehmer. Aber bevor Sie in Panik geraten: Für die meisten Freelancer sind die Pflichten überschaubar. Dieser Artikel sortiert, was Sie tun müssen, was Sie tun sollten und worüber Sie sich keine Sorgen machen brauchen.
Betrifft der AI Act Freelancer?
Ja. Der AI Act unterscheidet nicht nach Unternehmensgröße. Er gilt für jeden, der in der EU KI-Systeme nutzt (als “Betreiber”) oder entwickelt (als “Anbieter”). Die Ein-Personen-GmbH genauso wie der DAX-Konzern.
Aber: Die Pflichten hängen nicht von Ihrer Größe ab, sondern von der Risikoklasse der KI-Systeme, die Sie einsetzen.
Und hier kommt die Entwarnung für die meisten Freelancer: Die Tools, die Sie typischerweise nutzen, fallen in die niedrigsten Risikoklassen.
Was Freelancer typischerweise nutzen – und was das bedeutet
Minimales Risiko (keine besonderen Pflichten)
- Rechtschreibprüfung (Grammarly, LanguageTool)
- Spam-Filter
- Einfache Empfehlungssysteme
- KI-gestützte Suchfunktionen
Ihre Pflicht: Keine. Nutzen Sie weiter wie bisher.
Begrenztes Risiko (Transparenzpflicht)
- ChatGPT, Claude, Gemini für Texterstellung
- DeepL für Übersetzungen
- Midjourney, DALL-E für Bildgenerierung
- GitHub Copilot für Code
- Chatbots auf der eigenen Website
- KI-generierte Inhalte jeder Art
Ihre Pflicht: Transparenz. Wenn KI Inhalte für Dritte erstellt oder mit Dritten interagiert, muss das erkennbar sein. Konkret:
- Chatbot auf Ihrer Website? → Muss als KI gekennzeichnet sein
- KI-generierte Texte für Kunden? → Kennzeichnen (je nach Vertrag und Kontext)
- Deepfakes oder synthetische Medien? → Immer kennzeichnen
Hochrisiko (umfangreiche Pflichten)
Hier wird es für bestimmte Freelancer-Berufsgruppen relevant:
- HR-Berater, die KI-Tools für Bewerber-Screening empfehlen oder einsetzen
- Versicherungsmakler, die KI-gestützte Risikoanalysen nutzen
- Bildungsanbieter, die KI für Bewertungen oder Zugangsentscheidungen verwenden
- Finanzberater, die KI für Kreditwürdigkeitsprüfungen einsetzen
Ihre Pflicht: Vollständige Dokumentation, Risikomanagement, menschliche Aufsicht. Das ist aufwändig – aber betrifft nur eine Minderheit der Freelancer.
Die 4 Pflichten für die meisten Freelancer
Wenn Sie KI-Tools im Bereich “begrenztes Risiko” nutzen – und das tun die meisten – müssen Sie vier Dinge tun:
1. KI-Kompetenz sicherstellen (Art. 4)
Der AI Act verlangt, dass jeder, der KI-Systeme nutzt, ein “ausreichendes Maß an KI-Kompetenz” hat. Als Freelancer betrifft das: Sie selbst.
Was das konkret heißt: Sie sollten verstehen, was die KI-Tools tun, die Sie nutzen. Keine Raketenwissenschaft – aber Sie sollten wissen, dass ChatGPT halluzinieren kann, dass KI-generierte Bilder keine echten Fotos sind und dass Sie die Ergebnisse prüfen müssen.
Dokumentation: Ein kurzer Vermerk reicht – “Habe mich am [Datum] über Funktionsweise und Grenzen von [Tool] informiert.” Bei einer Prüfung ist das mehr als die meisten vorweisen können.
2. Transparenz gegenüber Kunden und Dritten (Art. 50)
Wenn Sie KI-generierte Inhalte an Kunden liefern oder ein Chatbot auf Ihrer Website läuft, muss das transparent sein.
Praxis-Tipps:
- Nehmen Sie einen KI-Hinweis in Ihre AGB oder Leistungsbeschreibung auf: “Wir nutzen KI-gestützte Tools zur Unterstützung bei [Texterstellung/Übersetzung/Design]. Alle Ergebnisse werden fachlich geprüft.”
- Chatbots: Klare Kennzeichnung, z. B. “Sie chatten mit einem KI-Assistenten.”
- KI-generierte Bilder: Metadaten oder Kennzeichnung bei Veröffentlichung
3. KI-Inventar führen (Best Practice)
Streng genommen verlangt der AI Act kein formelles Inventar von Betreibern mit minimalem/begrenztem Risiko. Aber als Freelancer ist es in 10 Minuten erledigt – und bei einer Anfrage von Kunden oder Behörden Gold wert.
Minimales Inventar für Freelancer:
| Tool | Anbieter | Zweck | Risikoklasse |
|---|---|---|---|
| ChatGPT | OpenAI (USA) | Textentwürfe | Begrenztes Risiko |
| DeepL | DeepL SE (DE) | Übersetzungen | Minimales Risiko |
| Midjourney | Midjourney Inc. (USA) | Visualisierungen | Begrenztes Risiko |
| GitHub Copilot | Microsoft (USA) | Code-Unterstützung | Minimales Risiko |
Das war’s. Zehn Minuten Arbeit, und Sie haben einen Überblick, den 90 % Ihrer Mitbewerber nicht haben.
4. DSGVO nicht vergessen
Der AI Act ersetzt nicht die DSGVO. Wenn Sie personenbezogene Daten in KI-Tools eingeben – Kundennamen, E-Mails, Geschäftsinformationen – gelten die DSGVO-Anforderungen weiterhin.
Praxis-Tipp: Keine personenbezogenen Kundendaten in ChatGPT & Co. eingeben, es sei denn, Sie haben einen AV-Vertrag mit dem Anbieter (OpenAI bietet das für Business-Accounts an). Bei der kostenlosen Version: Daten anonymisieren oder gar nicht erst eingeben.
Was Sie NICHT tun müssen
Viele Freelancer haben mehr Angst vor dem AI Act als nötig. Hier ein paar Entwarungen:
- Kein “KI-Beauftragter” nötig – Der AI Act verlangt keinen, auch nicht für größere Unternehmen.
- Keine CE-Kennzeichnung – Das betrifft nur Anbieter (Entwickler) von Hochrisiko-KI, nicht Nutzer.
- Keine Registrierung in EU-Datenbanken – Nur für Anbieter und Betreiber von Hochrisiko-KI.
- Keine technische Dokumentation – Wie ChatGPT funktioniert, muss OpenAI dokumentieren, nicht Sie.
- Kein Audit – Es gibt keine reguläre Prüfpflicht für KI-Betreiber mit niedrigem Risiko.
Sonderfall: Freelancer als KI-Anbieter
Aufpassen müssen Sie, wenn Sie selbst KI-Systeme entwickeln oder anpassen – nicht nur nutzen:
- Sie bauen einen Custom GPT oder einen KI-Chatbot für einen Kunden
- Sie feintunen ein Sprachmodell mit kundenspezifischen Daten
- Sie entwickeln eine KI-gestützte App oder einen Service
In diesen Fällen sind Sie möglicherweise Anbieter im Sinne des AI Acts – und die Pflichten sind deutlich umfangreicher. Das hängt von der Risikoklasse des resultierenden Systems ab.
Faustregel: Wenn Sie ein KI-System nur nutzen, sind Sie Betreiber (weniger Pflichten). Wenn Sie es wesentlich verändern oder unter eigenem Namen in den Markt bringen, werden Sie zum Anbieter (mehr Pflichten).
Was Freelancer ihren Kunden jetzt anbieten können
Der AI Act ist nicht nur Pflicht – er ist auch eine Geschäftschance. Viele Ihrer Kunden (KMUs) werden Hilfe brauchen:
- IT-Berater: KI-Inventare erstellen, Risikoklassifizierung durchführen
- Unternehmensberater: AI-Act-Compliance-Prozesse aufsetzen
- Texter/Content-Ersteller: Transparenzrichtlinien für KI-generierte Inhalte entwickeln
- Datenschutzberater: DSGVO- und AI-Act-Anforderungen integriert umsetzen
- Trainer/Coaches: KI-Kompetenz-Schulungen für Mitarbeiter
Das Gesetz schafft Beratungsbedarf. Und Freelancer, die sich jetzt positionieren, haben ab August einen Wettbewerbsvorteil.
Zeitaufwand: Realistisch eingeschätzt
| Aufgabe | Einmalig | Laufend |
|---|---|---|
| KI-Inventar erstellen | 10-30 Min. | 10 Min./Quartal |
| Transparenzhinweis in AGB | 15 Min. | – |
| Chatbot kennzeichnen | 5 Min. | – |
| KI-Kompetenz dokumentieren | 15 Min. | 1x/Jahr |
| Gesamt | ~1 Stunde | ~30 Min./Jahr |
Für die meisten Freelancer ist der AI Act in einem Nachmittag erledigt. Kein Grund, einen Anwalt zu beauftragen – aber ein guter Grund, es nicht auf die lange Bank zu schieben.
Fazit
Der AI Act betrifft auch Freelancer und Soloselbständige – aber die Pflichten sind für die meisten überschaubar. Transparenz, ein bisschen Dokumentation, gesunder Menschenverstand im Umgang mit KI. Das war’s.
Wer sich jetzt eine Stunde Zeit nimmt, ist compliant, bevor die meisten überhaupt angefangen haben. Und wer die Chance erkennt: Der AI Act schafft einen neuen Beratungsmarkt, in dem Freelancer mit KI-Know-how gut positioniert sind.
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